Ich war traurig, verzweifelt und wütend, weil ich von Anfang an versucht habe alles richtig zu machen und es trotzdem eher schlimmer als besser wurde.
Wir haben noch in Watsons Welpenalter die Hundeschule besucht, ihn überall mit hingenommen, damit er möglichst viel kennenlernt und dennoch ist mit Einsetzen der Pubertät alles mehr und mehr aus dem Ruder gelaufen.
Aufgrund seiner Erscheinung und Rasse, war es schwierig Hundekumpels zu finden, weshalb er nie wirklich die Chance hatte, mit seinen Artgenossen die hündische Kommunikation zu lernen. Hier und da wurde auch ein Mensch angebellt, der uns zu nah kam, um einfach mal „Hallo“ zu sagen, denn viele fanden den jungen Burschen so hübsch.
Natürlich wurde auch das in der Hundeschule geübt. Aber wie so oft, funktionierte es auf dem Hundeplatz ganz gut, aber im wirklichen Leben sah es anders aus. Und das Verhalten wurde sogar noch schlimmer. Alle Hunde, ob männlich oder weiblich, groß oder klein, schwarz oder weiß, wurden verbellt. Selbst Menschen, die an uns vorbeigingen, wollte er attackieren.
So verlegten wir unsere Spaziergänge an Orte, wo man seeehr weit Ausschau halten konnte und wo es vor allem genug Platz zum Ausweichen gab. Denn bei Sichtung eines anderen Individuums, verfiel ich erst in Schockstarre und suchte dann einen sicheren Platz mitten im Wald (Kratzer von Gestrüpp inbegriffen) oder in den Tiefen eines Feldes, in der Hoffnung nicht von dem Bauern erwischt zu werden. Auch wenn ich knietief im Schlamm stand.... egal, Hauptsache weit entfernt vom Weg. Und selbst auf diese Entfernungen rastete Watson zuverlässig aus.
Das Leben mit Hund, so wie ich mir es ausgemalt hatte, fand leider nicht statt. Nach insgesamt vier Trainern, von denen wir natürlich auch immer etwas Positives mitgenommen haben, blieb der nachhaltige Erfolg jedoch aus. Wir gewöhnten uns daran, keinen fremden Besuch mehr zu empfangen, oder Watson einfach wegzusperren. Urlaub im Hotel... auf keinen Fall, da begegnet man ja Menschen. Bei Verwandten parken, oder in eine Pension bringen? Wer würde so einen Hund nehmen, sodass auch wir ein gutes Gefühl dabei hätten? Also nein.
Wandern und auf einer Alm einkehren, Fehlanzeige. Denn entweder liefen uns dort Hunde über den Weg, oder ein Kellner kam an den Tisch, um seinen Job zu machen. Auf engeren Wegen, lief entweder mein Mann oder ich, mindestens 100 Meter vor, um zu schauen, ob die Luft rein ist. Wir hatten ständig Angst jemandem zu begegnen, es war ja auch echt peinlich wenn Watson seinen Tobsuchtsanfall bekommen hat.
Wo ich gerade etwas schmunzeln muss, wenn ich das alles so erzähle, war mir damals in keinster Weise zum Schmunzeln zu Mute. Es sind viele Tränen geflossen. Ich habe an mir selbst gezweifelt, ob ich überhaupt die Richtige für diesen Hund bin, ob er woanders nicht besser aufgehoben wäre. Auch Streitereien mit meinem Mann kamen dazu, wenn wir eigentlich einen schönen Ausflug machen wollten, aber die Nerven mal wieder blank lagen.
Und trotzdem war Aufgeben keine Option. Auch wenn ich schon viiiieeeel Geld in Trainings investiert hatte; ich wollte mich mit diesen Umständen, die mein ganzes Leben beeinflusst haben, einfach nicht abfinden.
So durchforstete ich den Dschungel von Angeboten und unterschiedlichsten Trainingsansätzen und wurde fündig. Zuerst war ich skeptisch. Wieder etwas Neues versuchen, wieder viel Geld investieren, wieder neue Hoffnung. Das alles hatte ich schon durch. Und es hörte sich anfangs immer gut an. Aber diesmal hatte ich so ein seltsam gutes Gefühl im Bauch. Ein ganz neuer Trainingsansatz, der sich jedoch sehr stimmig anhörte und mich überzeugte. Ein klarer Aufbau, ein klarer Trainingsweg und trotzdem individuell auf mich angepasst. Also habe ich alles auf eine Karte gesetzt. Ich hatte nichts mehr zu verlieren und somit noch einmal mein ganzes Vertrauen in dieses Training gelegt.
Was soll ich sagen. Mein Vertrauen wurde belohnt.
Watson und ich wurden zu einem echten Team. Die Bindung stärker denn je. Er hat gelernt die Verantwortung an mich abzugeben und ich habe gelernt ihn sicher durch alle Situationen zu führen. Ich habe ihm und mir die Freiheit geschenkt, von der ich früher geträumt habe. Beim Spazieren läuft er fast nur noch frei, natürlich immer an die Umwelt angepasst. Ich kann ihn lesen und kenne seine Bedürfnisse und er weiß, dass er sich auf mich verlassen kann. Mit meinen anderen drei Hündinnen, die danach dazu kamen, ist er ein Traum. Ich hätte mir früher nicht vorstellen können, dass er jemals einen anderen Hund akzeptiert.
Und was für mich die Krönung ist – er ist heute mein Co-Trainer. Jahaaa, richtig gelesen (stolz) :O)
Da er heute der Ruhigste und Zuverlässigste von meinen 4 Hunden ist, setze ich ihn nun im Training für Hundebegegnungen ein. Wenn mir das früher jemand erzählt hätte, hätte ich ihn für verrückt erklärt.
Meine Hundetrainerausbildung habe ich bei Sonee Dosoruth Akademie mit erfolgreicher Abschlussprüfung absolviert.
Durch eine weitere Prüfung vor dem Veterinäramt Homberg/Efze, bin ich zertifizierte Hundetrainerin nach § 11 Abs. 8 f Tierschutzgesetz.
Ich habe mein Herz an die Hunde mit „Special Effekten“ verloren. Weil es einfach unbezahlbar ist, zu sehen, wie Hund und Mensch wieder zu einem harmonischen Team zusammen wachsen. Denn jeder der einen Hund hat, der etwas „verhaltensoriginell“ ist, weiß, dass diese Hunde einem besonders ans Herz wachsen.
Es hat einen Grund, warum genau dieser Hund bei dir gelandet ist!
Du darfst so viel von ihm lernen, auch wenn dir das jetzt vielleicht noch nicht bewusst ist.
Ich habe dein Interesse geweckt?
Dann melde dich gerne bei mir! Ich freue mich über deine Nachricht. :-)